Das Softouch-Getriebe des Smart Roadster ist anders als alles andere auf der Straße – und das ist nicht immer ein Kompliment. Wer einsteigt und eine konventionelle Automatik erwartet, wird von ruckartigen Schaltvorgängen, rätselhaften Getriebeaussetzern und einer Schaltcharakteristik überrascht, die völlig nach eigenem Ermessen zu arbeiten scheint. Die gute Nachricht: Wer versteht, wie man den Smart Roadster Softouch richtig fährt, löst die meisten dieser Frustrationen in Luft auf. Dieser Ratgeber erklärt alles: wie das System tatsächlich funktioniert, welche Fahrtechniken für sanften Vortrieb sorgen, welche Fehler vermieden werden sollten und wie die sequenzielle Handschaltung optimal genutzt wird. Ob Neubesitzer oder erfahrener Enthusiast – hier ist für jeden etwas dabei.
Was ist das Softouch-Getriebe und warum fühlt es sich seltsam an?
Das Softouch ist keine konventionelle Automatik. Es handelt sich um ein automatisiertes Schaltgetriebe – im Wesentlichen ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit computergesteuertem Kupplungsaktuator und servobetätigter Gangwahl, die Kupplungspedal und Schalthebel ersetzen. Diese Bauweise hat enormen Einfluss darauf, wie das Fahrzeug gefahren werden sollte.
Da die Kupplung mechanisch öffnet und schließt und nicht durch einen Drehmomentwandler geregelt wird, unterbricht jeder Gangwechsel den Kraftfluss – genau wie bei einem manuellen Schaltgetriebe. Das Steuergerät entscheidet, wann geschaltet wird, befiehlt dem Aktuator die Kupplung zu öffnen, wählt den neuen Gang und schließt die Kupplung wieder. Dieser Vorgang dauert im Normalbetrieb 400–700 Millisekunden – eine Ewigkeit im Vergleich zu einem modernen Doppelkupplungsgetriebe. Langsame, ruckartige Schaltvorgänge sind daher kein Defekt, sondern schlicht charakteristisch für diesen Getriebetyp.
Dieses Verständnis nimmt einem enorm viel Sorge. Man fährt kein kaputtes Auto. Man fährt ein Auto, das eine andere Fahrtechnik verlangt.
Sauber Anfahren: Die wichtigste Fähigkeit
Die meisten Softouch-Frustrationen entstehen bei niedriger Geschwindigkeit. So meistert man das Anfahren:
Nicht nach dem Kupplungspunkt tasten
Viele Fahrer versuchen instinktiv, den Kupplungspunkt wie bei einer Handschaltung zu erspüren. Das sollte man vermeiden. Der Kupplungsaktuator reagiert nicht wie ein menschlicher Fuß auf der Kupplung auf Gaspedal-Modulation. Stattdessen empfiehlt es sich, gleichmäßig und moderat Gas zu geben und das System die Kupplung in seinem eigenen Tempo einrücken zu lassen. Nervöses Gasgeben signalisiert dem Steuergerät: fahren, stopp, doch fahren – und das Ergebnis ist ein Ruck.
Die Kriechfunktion richtig nutzen
Im Stand mit Wählhebel in D oder R kriecht das Fahrzeug sanft vorwärts – genau wie eine konventionelle Automatik. Bei langsamen Rangierfahrten nur die Bremse zur Geschwindigkeitskontrolle nutzen und sie progressiv lösen, um vorwärts zu fahren. Gas geben auf einem Parkplatz ist unnötig und kontraproduktiv.
Bergauffahrten
Anfahren am Berg erfordert einen etwas anderen Ansatz. Moderat Gas geben – mehr als man meint zu brauchen – bevor die Bremse gelöst wird. Der Kupplungsaktuator interpretiert ein entschlossenes Gassignal als Fahrwillen und rückt die Kupplung zügiger ein. Ein zögerliches Gasgeben führt zu einem langen, zitternden Einrücken. Das erste Mal fühlt es sich etwas übertrieben an, aber das Ergebnis ist sofort besser.
Smart Roadster Softouch bei höherer Geschwindigkeit fahren
Einmal in Fahrt, wird das Softouch deutlich angenehmer – vorausgesetzt, man passt seinen Fahrstil an.
Im Entspannten Fahrmodus früh hochschalten lassen
Im vollautomatischen Modus schaltet das Getriebe bei relativ niedrigen Drehzahlen hoch, um Kraftstoff zu sparen und den Turbolader zu schonen. Das ist für den Alltag durchaus sinnvoll. Gegen das Getriebe anzukämpfen, indem man kräftig Gas gibt, um Hochschaltungen zu verzögern, verschleißt den Kupplungsaktuator und bringt selten nennenswerte Vorteile.
Vor dem Schaltvorgang kurz vom Gas gehen
Dies ist die wirkungsvollste Technik für sanftere automatische Schaltvorgänge. Einen Bruchteil einer Sekunde bevor das Steuergerät schalten möchte, kurz vom Gas zu gehen, reduziert das Drehmoment im Antriebsstrang und ermöglicht der Kupplung ein saubereres Öffnen und Schließen. Mit der Zeit lernt man zu spüren, wann ein Gangwechsel bevorsteht – wenn der Motorklang eine bestimmte Tonlage erreicht – und das vorherige Gaswegnehmen wird zur zweiten Natur.
Sequenzieller Handschaltmodus
Den Wählhebel nach links schieben, um den sequenziellen (M) Modus zu aktivieren. Danach lassen sich mit den Schaltwippen oder dem Wählhebel selbst Hoch- und Rückschaltungen anfordern. Einige Regeln machen dies effektiv:
- Keinen Rückschaltbefehl geben, der den Motor über den Drehzahlbegrenzer bringen würde – das System ignoriert den Befehl schlicht.
- Kurze Pause zwischen Schaltbefehlen einhalten. Mehrfaches Hämmern auf die Schaltwippe beschleunigt nichts.
- Beim Heranfahren an Kreuzungen frühzeitig zurückschalten, anstatt bis kurz vor dem Stillstand zu warten. Das Getriebe reagiert auf sequenzielle Befehle bereitwilliger, wenn noch ausreichend Motordrehzahl vorhanden ist.
- Im Stand in D zurückschalten oder den Sportmodus nutzen, anstatt im ersten Gang im M-Modus zu verharren – der Kupplungsaktuator kann bei sehr langsamen Anfahrten im Handschaltmodus Probleme bereiten.
Häufige Fehler, die das Softouch verschlechtern
Einige Gewohnheiten verstärken die natürlichen Schwächen des Softouch:
- Ständiges Pumpen des Gaspedals: Schnell wechselnde Gaspedalstellungen verwirren die Schaltlogik. Gleichmäßige, progressive Eingaben sind immer besser.
- Übermäßiges Linksabbremsen: Der Softouch-Kupplungsaktuator berücksichtigt Bremseingaben in seiner Entscheidungsmatrix. Gleichzeitiges Bremsen und Gasgeben sendet widersprüchliche Signale und führt zu rauem Einrücken.
- Die R-Warnung ignorieren: Beim Einlegen des Rückwärtsgangs immer vollständig anhalten und auf die Bestätigung der Gangeinlegung warten, bevor Gas gegeben wird. Zu hastiges Vorgehen ist eine häufige Ursache für Kupplungsaktuator-Verschleiß.
- Fehlercodes ignorieren: Ein träger oder übermäßig ruckartiger Gangwechsel kann auf einen defekten Kupplungsaktuator, niedrigen Hydraulikflüssigkeitsstand oder einen Sensorfehler hinweisen. Das MEG 1.1-Steuergerät, das den Antriebsstrang des Roadsters regelt, speichert Fehlercodes, die auf die Ursache hinweisen können – ungewöhnliches Verhalten sollte nicht als normal abgetan werden.
Sportmodus, Brabus-Modus und die Gaspedalkennlinie
Der Smart Roadster bietet einen Sportmodus (bei den meisten Varianten über einen Dashboardknopf aktivierbar), der das Gaspedalansprechen schärft und Gänge bis zu höheren Drehzahlen hält. Besonders bei den 60-kW- und Brabus-Modellen verändert dies den Charakter des Fahrzeugs grundlegend.
Im Sportmodus schaltet das Getriebe etwa 1.000–1.500 Umdrehungen später hoch als im Normalmodus, wodurch der turbobetriebene Dreizylinder gleichmäßiger in seinem Leistungsband bleibt. Auch Rückschaltungen werden aggressiver. Für sportliches Fahren auf einer Landstraße ist der Sportmodus der natürliche Lebensraum des Softouch.
Allerdings sollte beachtet werden, dass dauerhafter Sportmodus-Betrieb im Stadtverkehr – Stop-and-go, Langsamfahrt – den Kupplungsaktuator stärker beansprucht. Diesen Modus nur dann einsetzen, wenn man sich tatsächlich frei bewegen kann. Die Architektur des automatisierten Schaltgetriebes wird ausführlich von Wikipedias Artikel über automatisierte Schaltgetriebe erläutert, der erklärt, warum sich die Gaspedalstrategie grundlegend von einer Drehmomentwandler-Automatik unterscheidet.
Wartung für ein gesundes Softouch-Getriebe
Das Softouch-Getriebe belohnt aufmerksame Pflege. Einige Wartungsprioritäten wirken sich deutlich auf das Fahrverhalten aus:
Kupplungsaktuator-Flüssigkeit
Der Kupplungsaktuator arbeitet hydraulisch. Der Flüssigkeitsstand sollte regelmäßig geprüft werden – ein zu niedriger Stand verursacht träges, unpräzises Einrücken und im fortgeschrittenen Stadium vollständiges Versagen beim Gangeinlegen. Der Behälter ist im Motorraum zugänglich. Ausschließlich die vorgeschriebene Flüssigkeit verwenden.
Getriebeöl
Das manuelle Getriebe benötigt ein eigenes Öl, getrennt von der Aktuatorflüssigkeit. Bei hochlaufenden Fahrzeugen wird dies oft übersehen. Frisches Getriebeöl verbessert die Schaltqualität merklich und reduziert die mechanischen Geräusche bei Gangwechseln. Enthusiastenforen wie das Community-Forum von Smart Car of America enthalten detaillierte Hinweise zu Flüssigkeitsspezifikationen von Besitzern, die ihre eigenen Serviceerfahrungen dokumentiert haben.
Kupplungsverschleiß
Die Reibungskupplung verschleißt genau wie bei einem manuellen Getriebe. Symptome einer verschlissenen Kupplung sind Durchrutschen bei starker Beschleunigung, Verbrennungsgeruch und zunehmend schlechteres Anfahrverhalten. Der Kupplungsaustausch am Smart Roadster ist aufgrund der Mittelheck-Motorlage eine aufwendige Arbeit, stellt aber bei korrekter Durchführung das beste Getriebeverhalten wieder her. Die Getriebeservice-Hinweise von spezialisierten Diagnosefachleuten bieten nützliche Informationen zur Aktuatorkalibrierung nach dem Kupplungswechsel.
Lohnt sich eine ECU-Kennfeldoptimierung für Softouch-Fahrer?
Eine hochwertige Motorsteuergerät-Optimierung tut beim Smart Roadster mehr als nur die Leistung zu steigern. Eine gut abgestimmte Kennfeldoptimierung verfeinert die Gaspedalkennlinie, was direkt beeinflusst, wie das Softouch die Fahrereingaben interpretiert. Ein schärferes, lineareres Gaspedalansprechen erleichtert es, dem Getriebe die gleichmäßigen Signale zu geben, die es bevorzugt – und reduziert das Zögern und Suchen, das ein serienmäßig weich abgestimmtes Fahrzeug kennzeichnet.
Die Schaltzeitpunkte des Softouch werden ebenfalls durch Gaspedalpositions-Schwellenwerte beeinflusst, die im Steuergerät gespeichert sind. Eine kalibrierte Kennfeldoptimierung kann diese Schwellenwerte anpassen, sodass das Getriebe unter Last länger im Gang bleibt und zum richtigen Moment entschlossener hochschaltet. Wer erkunden möchte, was eine Kennfeldoptimierung sowohl für die Leistung als auch das Getriebeansprechen leisten kann, findet in unseren Motorsteuergerät-Optimierungspaketen maßgeschneiderte Lösungen für den 698-ccm-Turbomotor in allen Leistungsvarianten.
Smart Roadster Softouch richtig fahren: Fazit
Den Smart Roadster Softouch richtig zu fahren ist vor allem eine Frage des Verständnisses seiner Natur – und des Arbeitens mit ihm statt gegen ihn. Gleichmäßige, bewusste Gaspedalführung, gezielter Einsatz von Sport- und Sequenzialmodus sowie ein grundlegendes Gespür dafür, wann Schaltvorgänge kommen, werden das Fahrerlebnis grundlegend verändern. Gute Technik kombiniert mit aufmerksamer Wartung – insbesondere der Kupplungsaktuator-Flüssigkeit und des Getriebeöls – macht das Softouch zu einem charaktervollen, unterhaltsamen System statt zu einem lästigen Hindernis. Der Smart Roadster belohnt Fahrer, die sich die Zeit nehmen, ihn wirklich zu verstehen.









