Der 698-ccm-Dreizylindermotor des Smart Roadster ist ein beeindruckendes Stück Ingenieurskunst, doch der serienmäßige Garrett 1238S ist für alle, die echte Fahrleistungen herauskitzeln wollen, ein limitierender Faktor. Ein Smart Roadster Turbo-Upgrade gehört zu den wirkungsvollsten Umbauten überhaupt – verlangt aber sorgfältige Planung. Richtig ausgeführt, verändert es den Charakter des Fahrzeugs grundlegend. Falsch angegangen, riskiert man einen Antriebsstrang zu beschädigen, der zunehmend schwer und teuer zu ersetzen ist. Dieser Leitfaden behandelt jeden realistischen Upgrade-Pfad, was er tatsächlich bringt, welche Begleitmods nötig sind und welche Kompromisse man ehrlich einkalkulieren muss.
Den serienmäßigen Garrett 1238S verstehen
Bevor man auch nur einen Euro für ein Upgrade ausgibt, sollte man genau wissen, womit man es zu tun hat. Der serienmäßige Turbolader aller Smart Roadster 452 Varianten ist der Garrett 1238S, eine kompakte Einheit mit fester Geometrie und pneumatischem Wastegate-Aktuator. Nach modernen Maßstäben ist er winzig – was für einen Motor mit weniger als 700 ccm Hubraum angemessen ist –, doch genau diese Kompaktheit definiert auch seine Grenze.
Die Serienladedruck-Werte quer durch die Modellreihe sprechen eine klare Sprache: Der 45-kW-Lite läuft bei 0,89 bar, das 60-kW-Standardmodell bei 1,09 bar, der 66-kW-SB2-Brabus bei 1,33 bar und der 74-kW-Brabus bei 1,43 bar. Derselbe Turbolader erzeugt diese unterschiedlichen Leistungen ausschließlich über die Ladedruckkalibrierung und das Steuergerät-Mapping. Das ist zugleich ermutigend und warnend – ermutigend, weil es beweist, dass noch Reserven vorhanden sind; warnend, weil die Brabus-Werte nahezu die sichere Obergrenze des 1238S-Verdichterkennfelds darstellen.
Wer unregelmäßigen Ladedruck bemerkt oder vermutet, dass der Aktuator bereits verschlissen ist, sollte zunächst den Artikel über Wastegate-Aktuator-Fehler und Austausch lesen, bevor er sich für ein Upgrade entscheidet – viele Fahrzeuge, die sich leistungsschwach anfühlen, haben lediglich einen defekten Pneumatik-Aktuator und keinen Turbo, der an seine Grenzen gestoßen ist.
Der 1238S fördert ausreichend Luft für etwa 80–85 PS an der Kurbelwelle, bevor er in Bereiche des Verdichterkennfelds gerät, die übermäßige Wärme erzeugen und die Leistung eher beeinträchtigen als steigern. Diese Grenze zu kennen, ist die Grundlage jeder sinnvollen Upgrade-Planung.
Weg Eins: Den serienmäßigen Turbo optimieren
Für die meisten Smart-Roadster-Besitzer ist das kosteneffizienteste Turbo-Upgrade gar kein Turbo-Upgrade im eigentlichen Sinne – es geht vielmehr darum, das volle Potenzial des serienmäßigen Aggregats durch bessere Kalibrierung und unterstützende Hardware auszuschöpfen. Ein sauber ausgeführtes Steuergerät-Remap an einem gesunden 1238S kann ein Standard-60-kW-Fahrzeug zuverlässig auf rund 90–100 PS bringen, was bei einem Gewicht von unter 800 kg eine spürbare Verbesserung im Alltag bedeutet.
Entscheidend ist dabei, den Turbo zu unterstützen, anstatt gegen seine Grenzen anzukämpfen. Ein optimierter Ladeluftkühler, ein weniger restriktiver Ansaugfilter und eine besser durchströmbare Abgasanlage reduzieren thermische Belastung und Gegendruck am Verdichter, sodass er bei einem gegebenen Ladedruck effizienter arbeitet, anstatt einfach schneller zu drehen und Wärme zu produzieren.
Wer noch nicht erkundet hat, was ein kalibriertes Remap aus der Serienabstimmung herausholt, findet in unserer ausführlichen Analyse zu Stage-1-Leistungsgewinnen realistische Erwartungswerte und eine Erklärung, warum das Mapping immer vor Hardware-Änderungen kommt. Hardware aufzurüsten, ohne das Mapping anzupassen, ist ein verbreiteter und kostspieliger Fehler – das Steuergerät wird die Verbesserung nicht ausnutzen und in manchen Fällen durch Kraftstoffanpassung und Ladedruckregelung aktiv dagegen arbeiten.
Für Besitzer des 45-kW-Lite ist die Ausgangslage anders. Dieses Modell wurde ohne Ölkühler gebaut, was zu einer kritischen Einschränkung wird, sobald die thermische Last steigt. Warum der 60-kW-Motor einen Ölkühler hat, ist Pflichtlektüre, bevor man einen Lite über seine Werkskalibrierung hinaus treibt.
Weg Zwei: Größere Turbolader-Optionen
Wer echte Leistung jenseits von 100 PS an der Kurbelwelle anstrebt, kommt um einen physisch größeren Turbolader nicht herum. Die Smart-Roadster-Community hat über die Jahre verschiedene Optionen erprobt, und um eine Handvoll Einheiten hat sich durch reale Tests ein belastbarer Konsens herausgebildet.
Garrett GT1241z und GT1446
Der GT1241z ist der am häufigsten verbaute Upgrade-Turbo; er bietet ein größeres Verdichterrad als der 1238S bei weitgehend ähnlichen Turbinengehäuse-Abmessungen. Das ermöglicht den Einbau ohne aufwändige Änderungen am Abgaskrümmer, was im beengten Mittelmotor-Heckraum des Roadsters enorm wichtig ist. Der erwartete Leistungsgewinn gegenüber einem remappten Serienturbo liegt im Bereich von 15–20 PS, sodass je nach Begleitmods Gesamtwerte von rund 110–125 PS erreichbar sind. Das Ansprechverhalten verzögert sich leicht, bleibt aber für den Straßeneinsatz akzeptabel.
Der GT1446 geht einen Schritt weiter und wird von Fahrern bevorzugt, die 130 PS oder mehr anstreben. Er erfordert umfangreichere Änderungen an der Rohrführung und profitiert von einem passenden Abgaskrümmer. Turboloch unter 3.000 U/min wird spürbarer, was in einem Fahrzeug mit dem Softouch-Automatikgetriebe – das für seine träge Schaltcharakteristik bekannt ist – bei niedrigen Geschwindigkeiten für ein zähes Fahrgefühl sorgen kann. Das ist ein Rennstrecken- oder rennstreckentauglicher Straßenaufbau, kein Alltagsfahrzeug-Upgrade.
Mitsubishi TD02 und TD025-Familie
Da der Smart-Roadster-Motor von Mitsubishi abstammt, bieten mehrere TD02- und TD025-Varianten aus dem Mitsubishi-Teileprogramm hervorragende Kompatibilität mit minimalem Fertigungsaufwand. Diese sind in der kontinentaleuropäischen Tuning-Szene beliebt und liefern gute Verdichterkennfelder für den Zielbereich von 90–110 PS. Gebrauchte Einheiten in gutem Zustand sind leichter zu beschaffen als Garrett-Alternativen, und die Qualität von Mitsubishi-OEM-Teilen ist gut dokumentiert.
Unabhängig vom gewählten Turbo wird die Kombination mit passenden Nockenwellen-Upgrades, die speziell für den 698-ccm-Motor entwickelt wurden, deutlich mehr vom Potenzial des neuen Turbos erschließen, indem die Zylinderfüllung bei höherem Ladedruck verbessert wird.
Begleitmods: Was ein Turbo-Upgrade wirklich erfordert
Ein größerer Turbolader ohne ordentliche Begleitmods ist bestenfalls eine Enttäuschung und schlimmstenfalls ein Motorschaden. Die folgenden Punkte sind keine optionalen Extras – sie sind Voraussetzungen.
Kraftstoffversorgung
Die serienmäßigen Einspritzventile und die Kraftstoffpumpe sind auf die Werksleistungen ausgelegt. Jenseits von etwa 100 PS an der Kurbelwelle wird die Kraftstoffförderung zum limitierenden Faktor. Für jeden Aufbau, der über 110 PS anstrebt, sind aufgerüstete Injektoren – typischerweise 310-ccm- oder 360-ccm-Einheiten – erforderlich, zusammen mit einem Kraftstoffdruckregler, der bei erhöhtem Bedarf einen gleichmäßigen Raildruck aufrechterhält. Ein Breitband-Lambdasensor mit zugehöriger Logging-Möglichkeit ist für die Abstimmungsvalidierung unverzichtbar.
Ladeluftkühlung
Der Serien-Ladeluftkühler ist für Brabus-Leistungsniveaus ausreichend, aber nicht für dauerhaften Hochlastbetrieb mit einem größeren Turbo. Ein Frontladeluftkühler oder eine deutlich größere Seiteneinbaulösung wird benötigt. Die Ladelufttemperatur hat einen direkten und erheblichen Einfluss auf die Klopffestigkeit, daher ist hier kein Sparpotenzial vorhanden.
Motorinterna
Bei Aufbauten, die 120 PS und mehr anstreben, rückt der Zylinderkopf in den Fokus. Strömungsoptimierung an Kanälen und Brennraum, kombiniert mit verstärkten Ventilfedern für höhere Hubprofile, reduziert das Risiko hitzebedingter Ausfälle spürbar. Zylinderkopf-Porting am 698-ccm-Aggregat ist eine Spezialarbeit, die aber messbare Verbesserungen der Durchströmungseffizienz bei hohem Ladedruck bringt.
Ladedrucküberwachung
Einen größeren Turbolader ohne Echtzeit-Ladedrucküberwachung zu betreiben, ist unklug. Das Bosch MEG 1.1 Steuergerät lässt sich über eine OBD-Schnittstelle für MAP-Sensordaten auslesen, aber ein dediziertes Ladedruckmessgerät gibt sofortiges visuelles Feedback und warnt vor Überladezuständen, bevor die Sicherheitsstrategien des Steuergeräts eingreifen. Die richtige Ladedrucküberwachung einzurichten sollte auf der Liste stehen, bevor nach einem Turbowechsel der Motor das erste Mal gestartet wird.
Smart Roadster Turbo-Upgrade: Realistische Leistungs- und Kostenerwartungen
Ehrlichkeit ist hier gefragt. In der Smart-Roadster-Community gibt es eine Tradition optimistischer Angaben, und es ist wichtig, Marketing von gemessenen Ergebnissen zu trennen, bevor man Budget einsetzt.
Remap-only-Aufbau an einem gesunden 60-kW-Fahrzeug mit Serienturbo: 85–100 PS, Kosten 350–800 Euro je nach Mapping-Anbieter, sehr zuverlässig, behält die Alltagstauglichkeit.
GT1241z mit Remap, aufgerüsteter Kraftstoffversorgung und Ladeluftkühler: 110–120 PS, Gesamtkosten 1.800–3.000 Euro je nach Arbeitsaufwand und Teilebeschaffung, erfordert sorgfältige Kalibrierung.
GT1446 mit vollständigem Begleitaufbau einschließlich Kopfarbeit und Nockenwelle: 125–140 PS, Gesamtkosten ab 3.500–6.000 Euro, das ist ein ernsthaftes Projektfahrzeug.
Das Gewicht ist der entscheidende Kontext. Bei rund 790 kg liefert der Smart Roadster selbst mit 100 PS ein Leistungsgewichts-Verhältnis, das viele Sportwagen zum zehnfachen Preis in den Schatten stellt. Die Gewinne aus einem Remap allein sind im Alltag wirklich spürbar – ein größerer Turbo-Aufbau ist für jene, die wissen, dass sie sich in den Bereich abnehmender Erträge vorwagen, und bereit sind, den Aufpreis sowohl für Fahrleistungen als auch für das gute Gefühl zu bezahlen.
Aus Zuverlässigkeitssicht ist die 60-kW-Variante immer die richtige Basis für ein Turbo-Upgrade-Projekt. Ihr Ölkühler und die etwas robustere Kalibrierung machen sie zu einem deutlich besseren Ausgangspunkt als den 45-kW-Lite, und der Preisaufschlag für ein gutes 60-kW-Fahrzeug ist durch das reduzierte Risiko und die höhere Upgrade-Obergrenze leicht gerechtfertigt.
Einbauhinweise und häufige Fehler
Der Mittelmotor-Heckraum des Smart Roadster ist eng und der Zugang eingeschränkt. Professioneller Einbau eines Turboladers durch jemanden, der noch nie an einem 452 gearbeitet hat, führt häufig zu verlängerter Arbeitszeit und vermeidbaren Fehlern. Man sollte einen Spezialisten mit nachgewiesener Smart-Roadster-Erfahrung aufsuchen oder zumindest jemanden, der mit Mitsubishi-Dreizylinder-Anwendungen vertraut ist.
Häufige Fehler sind das Wiederverwenden alter Ölzulauf- und Rücklaufleitungen, was den neuen Turbo beim Erststart mit Schmiermittel unterversorgt und zu sofortigem Versagen führen kann; das Unterlassen des Vorölens des neuen Turboladers vor dem Einbau; sowie das Vernachlässigen der Kühlmittelleitungen, die das wassergekühlte Lagergehäuse bei späteren Varianten versorgen. Ein Turbolader, der vor dem Erststart nicht ordentlich mit Öl vorbefüllt wird, versagt innerhalb von Minuten.
Risse im Abgaskrümmer sind eine bekannte Schwachstelle bei Hochdruck-Smart-Roadster-Aufbauten. Den Krümmer vor dem Einbau prüfen und für jeden Aufbau über 1,2 bar Ladedruck einen Edelstahl-Ersatzkrümmer in Betracht ziehen. Der serienmäßige Gusskrümmer reißt unter wiederholten Temperaturwechseln bei erhöhtem Ladedruck, und ein gerissener Krümmer ruiniert die Abstimmung und möglicherweise den Katalysator.
Für ein umfassenderes Verständnis, wie die Architektur des 698-ccm-Motors auf Tuning reagiert, behandelt der ausführliche Leitfaden zum 698-ccm-Dreizylindermotor die Block- und Kopfkonstruktionsdetails, die allen Upgrade-Planungen zugrunde liegen. Die Motorarchitektur zu verstehen ist genauso wichtig wie das Verständnis des darauf sitzenden Turboladers.
Ein Smart Roadster Turbo-Upgrade ist die wirkungsvollste Einzelmodifikation für den 452, muss aber methodisch angegangen werden. Mit einem hochwertigen Steuergerät-Remap an einem gesunden Basisfahrzeug beginnen – unsere Performance-Mapping-Pakete bieten je nach Ziel einen kalibrierten Weg von 90 bis 125 PS. Wer sich dann für ein Hardware-Upgrade entscheidet, sollte zuerst die Begleitsysteme aufbauen, bevor der Turbo angeschraubt wird. Das Ergebnis wird in einem so leichten Fahrzeug neu definieren, wozu ein 700-ccm-Motor fähig ist.









