Die Hauptuntersuchung (HU/TÜV) beim Smart Roadster umfasst Bremsen, Lenkung, Beleuchtung, Reifen, Abgase, Karosserie und Sicht – identische Prüfkategorien wie bei jedem anderen Fahrzeug. Beim 452 machen jedoch der mittig-heck positionierte Motor, das Softouch-Getriebe und bekannte Schwachstellen wie Wassereintritt, korrodierte Hilfsrahmen und SAM-Einheit-Fehler eine gründliche Vorbereitung besonders wichtig.
Ein Smart Roadster 452 zu besitzen ist eine Freude, doch ihn verkehrssicher zu halten erfordert mehr Aufmerksamkeit als ein gewöhnlicher Kompaktwagen. Von den rund 43.000 gebauten Exemplaren zwischen 2003 und 2006 werden Ersatzteile immer spezialisierter, und viele Werkstätten haben das Fahrzeug noch nie auf der Hebebühne gehabt. Wer genau weiß, worauf Prüfer achten – und welche typischen 452-Eigenheiten Auflagen oder glatte Mängel auslösen können – behält die Kontrolle über seine HU. Dieser Ratgeber geht jede Prüfkategorie durch, beleuchtet die Roadster-spezifischen Fallen und gibt eine klare Vorbereitungs-Checkliste, um die Chancen auf ein sauberes Ergebnis zu maximieren.
Aufbau der HU beim Smart Roadster
Die Hauptuntersuchung nach §29 StVZO folgt einem standardisierten Prüfkatalog mit drei Mängelklassen: Gefährlicher Mangel (sofortiges Fahrverbot), Erheblicher Mangel (Nachprüfung erforderlich) und Geringer Mangel (Hinweis, muss beobachtet werden). Die Prüfung umfasst sieben Hauptbereiche: Identität und Beleuchtung, Lenkung und Fahrwerk, Bremsen, Reifen und Räder, Sicht, Abgase sowie Karosserie und Struktur. Jeder Smart Roadster – ob 45-kW-Lite, 60-kW-Standard, 66-kW-SB2-Brabus oder 74-kW-Brabus – wird nach demselben Schema geprüft. Was sich unterscheidet, ist, wie das ungewöhnliche Layout und alterungsbedingte Schwachstellen auf diese Kategorien treffen. Ein Prüfer, der das Modell nicht kennt, könnte die hecknahe Motorlage oder das fehlende konventionelle Motorhaubenschloss hinterfragen – ein kurzer Hinweiszettel im Fahrzeug kann Verwirrung und Zeitverlust ersparen.
Bremsen: Der Bereich mit dem höchsten Durchfallrisiko
Die Bremsleistung wird auf dem Bremsenprüfstand gemessen. Jede Achse wird einzeln gemessen, und die Seitendifferenz darf bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Die hecklastige Gewichtsverteilung des Roadsters – eine Folge des mittig-heck platzierten Motors – bedeutet, dass die Hinterbremsen stärker beansprucht werden als bei einem frontmotorisierten Fahrzeug ähnlicher Masse. Dadurch kann der Verschleiß von Bremsbelägen und -scheiben hinten unerwartet hoch sein. Prüfer kontrollieren die Belagstärke visuell durch die Radspeichen, messen die Scheibendicke gegen Herstellerminimum und suchen nach tiefen Riefen oder Rändern. Bremssattel-Führungsbolzen korrodieren leicht bei seltener Nutzung und verursachen ungleichmäßigen Belagverschleiß – häufige Auflage. Die Feststellbremse wird statisch geprüft und muss das Fahrzeug in der Steigung halten. Seilzugdehnung und Trommelmechanismus der Feststellbremse einiger Varianten sind bekannte Verschleißpunkte. Alte Bremsflüssigkeit nimmt Feuchtigkeit auf und senkt den Siedepunkt – verunreinigte Flüssigkeit ist kein direkter Abnahmegrund, aber ein weiches Pedal durch Dampfblasenbildung unter Testbedingungen kann Bedenken auslösen. Wechseln Sie die Flüssigkeit jährlich.
Was vor der HU zu prüfen ist
- Scheibendicke messen und mit Smarts Mindestmaß vergleichen (vorne: 8 mm Verschleißgrenze; hinten: 7 mm)
- Bremssattel-Führungsbolzen drücken – wenn steif, vor der HU reinigen und schmieren
- Feststellbremsenweg prüfen: mehr als sechs Rastungen bei den meisten Roadster-Modellen deutet auf nötigen Seilzugabgleich hin
- Bremsleitungen auf Korrosion inspizieren, besonders unter dem hinteren Diffusorbereich, wo Spritzwasser sammelt
Reifen, Räder und Spureinstellung
Der HU-Prüfer kontrolliert Profiltiefe (Mindestmaß 1,6 mm über drei Viertel der Profilbreite rund um den Umfang), Flankenzustand, korrekte Montage sowie Freiheit von Beulen oder Einschnitten. Der Smart Roadster verwendet eine asymmetrische Reifenbestückung – schmalere Vorder- und breitere Hinterreifen – was manche Prüfer überrascht. Stellen Sie sicher, dass die Abmessungen für Ihre Variante korrekt sind und kein falscher Reifen von einem Vorbesitzer montiert wurde. Gerissene oder korrodierte Felgen werden im Karosseriebereich geprüft. Jenseits der Mindestprofiltiefe erhöht eine Profiltiefe unter 3 mm den Bremsweg erheblich, besonders bei Nässe; das geringe Leergewicht des 452 gibt bei gutem Reifenzustand exzellenten Grip, aber auf abgenutztem Gummi zeigen sich die Grenzen schnell. Korrekte Reifendrücke und zugelassene Größen für alle Smart-Roadster-Varianten sollten vor der HU bestätigt werden, da ein falsch dimensionierter Reifen ein erheblicher Mangel ist. Die Spureinstellung selbst ist kein Teil der Standard-HU, aber starke Fehleinstellung verursacht ungleichmäßigen Reifenverschleiß, den Prüfer beanstanden. Die Spurwerte des 452 selbst zu prüfen und zu korrigieren vor der Jahresinspektion kann eine Auflage oder einen Verschleißmangel verhindern.
Lenkung, Fahrwerk und der besondere Unterboden des 452
Auf der Hebebühne rütteln Prüfer am Lenkrad und prüfen das Spiel in Zahnstange, Lenksäulengelenken und Spurstangenköpfen. Die Zahnstangenlenkung des Smart Roadsters ist dafür bekannt, relativ früh Spiel zu entwickeln, und die Zahnstange selbst ist ein anerkannter Schwachpunkt bei hochkilometrigen Exemplaren. Fahrwerksgelenke – Dreieckslenker-Buchsen oben und unten, Kugelgelenke und Dämpferlager – werden mit einem Brecheisen abgehebelt, um übermäßige Bewegung aufzudecken. Korrosion am Hilfsrahmen und an den Fahrwerksaufnahmepunkten wird sorgfältig untersucht; die niedrige Bodenfreiheit und die exponierte Unterbodenkonstruktion des Roadsters machen ihn anfällig für Streusalz. Der Zustand der Stoßdämpfer wird sowohl visuell (Leckagen) als auch dynamisch (Hüpftest) beurteilt. Die korrekten Aufnahmepunkte beim Anheben des Fahrzeugs für Ihre eigene Vorinspektion sind entscheidend – falsches Ansetzen des Wagenhebers quetscht die Schweller und erzeugt zusätzliche Strukturprobleme. Niemals unter Motorölwanne oder Getriebegehäuse anheben.
Abgasuntersuchung: Verhalten des 698-cm³-Turbos beim AU-Test
Die Abgasuntersuchung (AU) für Benzinmotoren ab Baujahr 2002 misst Kohlenwasserstoffe (HC), Kohlenmonoxid (CO) bei Leerlauf und erhöhter Drehzahl sowie Lambda (Luft-Kraftstoff-Verhältnis). Der 698-cm³-Dreizylinder-Turbomotor des Roadsters – Mitsubishi-abgeleitet, gesteuert von einem Bosch-MEG-1.1-Steuergerät – läuft bei intakter Zündanlage und sauberem Gemisch im Allgemeinen sauber. Eine verschmutzte oder verschlissene Zündkerze erhöht die HC-Werte dramatisch. Neue Zündkerzen vor der HU einsetzen ist eine der wirkungsvollsten Vorbereitungsmaßnahmen – oft unter 15 Euro und in der Lage, HC-Werte von einem Versager auf einen sicheren Bestehen zu senken. Auch der Luftfilter beeinflusst das Gemisch; ein stark verstopfter Filter fettet das Gemisch an und erhöht CO. Der Motor muss vollständig warm sein, bevor die AU durchgeführt wird – ein kalter 452 liest sich künstlich fett. Fahren Sie mindestens 10–15 Minuten mit wechselnden Drosselklappenöffnungen, bevor Sie das Fahrzeug vorführen. Der Katalysator muss funktionieren; ein defekter Kat ist ein sicherer erheblicher Mangel.
AU-Vorbereitungs-Checkliste
- Zündkerzen ersetzen, wenn über 20.000 km oder zwei Jahre alt
- Luftfilter prüfen und ersetzen, wenn sichtbar verschmutzt
- Sicherstellen, dass der Motor vor der Prüfung Betriebstemperatur erreicht
- Abgasanlage vom Krümmer bis zum Endrohr auf Undichtigkeiten oder Schäden inspizieren
- Lambda-Sonden-Stecker auf Korrosion prüfen – ein defekter Sensor verfälscht alle Messwerte
Beleuchtung, Sicht und elektrische Systeme
Jede Lampe wird betätigt: Scheinwerfer (Abblend- und Fernlicht), vordere und hintere Nebelleuchten, Blinker (einschließlich Warnblinker), Bremslichter, Rückfahrscheinwerfer und Kennzeichenbeleuchtung. Die Scheinwerfereinstellung wird auf einem Einstellgerät gemessen; die relativ niedrige Scheinwerferposition des Roadsters sorgt dafür, dass die Einstellung tendenziell stabil bleibt, aber falsch eingesetzte Ersatzlampen können einen Mangel verursachen. Die Windschutzscheibe wird auf Chips oder Risse im Wischerbereich des Fahrers geprüft – ein Riss von mehr als 10 mm direkt vor dem Fahrer ist ein erheblicher Mangel. Wischerblattzustand und Scheibenwaschanlagenfunktion werden geprüft. Die Hupe muss funktionieren. Die SAM-Einheit (Signal Acquisition Module) des Smart Roadsters steuert zahlreiche elektrische Funktionen; eine defekte SAM-Einheit kann intermittierende Lampenausfälle verursachen, die bei der HU auftreten, aber vorher nicht. Wenn Sie flackernde Leuchten oder zufällige Elektrikprobleme bemerkt haben, lassen Sie die SAM-Einheit vor der Hauptuntersuchung auf Fehlercodes scannen. Der Nebelschlussleuchten-Schalter einiger Varianten ist Teil des Armaturenbrettschaltkreises und kann bei älteren Fahrzeugen Probleme entwickeln.
Karosserie, Struktur und Roadster-spezifische Besonderheiten
Prüfer kontrollieren, dass keine Karosserieteile gefährlich scharfe Kanten haben, Türen korrekt öffnen und einrasten und die Motorhaube – beim Roadster das vordere Gepäckraumdeckel – sich während der Fahrt nicht unbeabsichtigt öffnen kann. Die Strukturintegrität von Schwellern, Bodenwanne und Rahmenlängsträgern wird auf Korrosion untersucht. Die Tridion-Sicherheitszelle des 452 ist robust, aber die umgebenden Karosseriebleche und die hintere Motorabdeckung können Feuchtigkeit einschließen, was zu Korrosion führt, die kosmetisch beginnt und bei Vernachlässigung strukturell voranschreitet. Zustand und Funktion der Sicherheitsgurte – einschließlich Gurtstraffer-Schaltkreis – werden geprüft. Der Verdeck-Mechanismus muss vollständig schließen und einrasten; ein Verdeck, das nicht gesichert werden kann, ist ein Sicht- und Strukturproblem. Wassereintritt durch ein verschlissenes Verdeckdichtband ist ein bekanntes 452-Problem und kann zu feuchten Teppichen, Elektrikausfällen und in schlimmen Fällen zu stehendem Wasser in den Fußräumen oder nahe der SAM-Einheit führen. Beheben Sie jede Dichtungsverschlechterung vor der Hauptuntersuchung.
Smart-Roadster-spezifische HU-Vorbereitung: Praktische Maßnahmenliste
Über die kategoriebezogenen Prüfungen hinaus sollte ein Roadster-Besitzer folgende Punkte vor der Anmeldung zur HU abarbeiten:
- Motor zuerst warten. Ein Ölwechsel und frischer Filter sorgen für saubere Schmierung während der Prüfung und beseitigen Verunreinigungen, die Abgaswerte verschlechtern können. Den vollständigen 452-Wartungsplan einzuhalten statt nur die HU abzuhaken ergibt ein wirklich verkehrssicheres Fahrzeug das ganze Jahr über.
- Kraftstofffilter prüfen. Ein teilweise verstopfter Kraftstofffilter kann unter Last zu Aussetzern und zu Abgasauffälligkeiten führen. Beim 452 befindet sich der Filter hinten am Fahrzeug nahe dem Motorraum.
- Kühlmittelstand und -zustand kontrollieren. Niedriger Kühlmittelstand kann dazu führen, dass der Motor während der Prüfung überhitzt, was temperaturbedingte Anfettung und möglicherweise eine Warnleuchte auslöst.
- Nachts mit einer Taschenlampe ums Fahrzeug gehen. Alle Leuchten bei Dunkelheit zu prüfen enthüllt durchgebrannte Birnen, die bei Tageslicht übersehen werden.
- Hupe, Wascher und alle elektrischen Funktionen testen. Einfache Prüfungen, die leicht übersehen werden, bis der Prüfer sie als Mängel notiert.
Was nach der Smart-Roadster-HU passiert
Bei bestandener HU erhalten Sie die Prüfbescheinigung und die Fahrzeugakte wird beim TÜV/DEKRA aktualisiert. Auflagen auf dem Protokoll sollten als Aufgabenliste für die kommenden Monate behandelt werden, nicht bis zur nächsten HU ignoriert. Ein geringer Mangel dieses Jahr wird häufig ein erheblicher Mangel beim nächsten Mal, wenn er unbehandelt bleibt. Bei Nichtbestehen erhalten Sie einen Prüfbericht mit allen Mängeln. Sie dürfen das Fahrzeug zur vorab gebuchten Nachprüfung fahren; es anderweitig zu bewegen ist ohne Genehmigung nicht zulässig. Die Nachprüfung erfolgt innerhalb der Geltungsdauer der Mängelprüfung kostenlos, sofern nur die gelisteten Mängel nachgeprüft werden. Behandeln Sie das Nichtbestehen als priorisierte Reparaturliste und beheben Sie gefährliche Mängel, bevor Sie das Fahrzeug überhaupt bewegen.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft braucht ein Smart Roadster eine HU?
Wie alle deutschen Fahrzeuge über drei Jahre muss der Smart Roadster alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung. Die erste HU ist drei Jahre nach der Erstzulassung fällig. Da die jüngsten 452-Roadster mittlerweile weit über 15 Jahre alt sind, ist jedes täglich genutzte Exemplar ohne Ausnahme regelmäßig prüfpflichtig.
Was sind die häufigsten HU-Versager beim Smart Roadster?
Die häufigsten Versagergründe beim 452 sind Bremskraftdifferenz oder festsitzende Bremssattel-Führungsbolzen, Profiltiefe unter dem gesetzlichen Minimum von 1,6 mm, Beleuchtungsfehler im Zusammenhang mit SAM-Einheit-Problemen, AU-Versager durch verschlissene Zündkerzen oder einen defekten Katalysator sowie Lenkungsgetriebespiel über dem zulässigen Grenzwert. Korrosion an Hilfsrahmen-Aufnahmepunkten ist bei älteren Fahrzeugen ein zunehmend relevantes Thema.
Kann ich die HU-Vorinspektion beim Smart Roadster selbst durchführen?
Ja, und es ist sehr empfehlenswert. Besitzer können alle Leuchtenfunktionen prüfen, die Profiltiefe mit einem günstigen Messgerät messen, die Feststellbremse testen, Bremsscheiben- und Belagzustand durch die Radspeichen inspizieren und auf Fahrwerksgeräusche über Bodenunebenheiten achten. Viele Prüforganisationen bieten auch eine kostenlose oder preisgünstige HU-Vorprüfung an – sinnvoll für ein Fahrzeug mit den bekannten altersbedingten Schwachstellen des 452.
Beeinflusst die Mittelmotor-Hecklage des Smart Roadsters die HU?
Nicht direkt – die HU-Kategorien gelten unabhängig von der Motorposition einheitlich. Die Lage bedeutet jedoch, dass Prüfer den Motorraum von hinten zugänglich machen statt über eine konventionelle Fronthaube, was weniger erfahrene Werkstätten verwirren kann. Der vordere Bereich ist ausschließlich Gepäckraum. Den Prüfer vorab zu informieren verhindert unnötige Verzögerungen und stellt sicher, dass die AU-Messsonde korrekt am hinteren Endrohr angesetzt wird.









