Der Smart Roadster 60kW verbraucht im realen Alltagsbetrieb zwischen 5,6 und 7,1 Liter auf 100 km, gegenüber dem offiziellen NEFZ-Kombinationswert von rund 4,8 l/100 km. Der 45kW Lite bewegt sich in ähnlichen Bereichen, während der Brabus aufgrund des höheren Ladedrucks und der Versuchung, ihn auszureizen, eher 6,4 bis 8,1 l/100 km verbraucht.
Der reale Kraftstoffverbrauch des Smart Roadster ist eines der meistgesuchten Themen unter Besitzern – zum einen, weil die offiziellen Werte verlockend aussehen, zum anderen, weil die Realität davon gerne abweicht. Mit seinem 698-ccm-Turbodreizylinder im Mittelheck und dem Softouch-Halbautomaten, der eigene Vorstellungen von der richtigen Gangwahl hat, belohnt der Roadster alle, die ihn wirklich verstehen. Dieser Ratgeber liefert die echten Zahlen, erklärt die mechanischen Einflussfaktoren und zeigt konkrete Schritte, um die Lücke zwischen Prospektversprechen und Tanknadel zu schließen.
Was der Smart Roadster im Alltag wirklich verbraucht
Smart gab beim 60kW seinerzeit einen NEFZ-Kombinationsverbrauch von 4,8 l/100 km an. Dieser Wert wurde unter Testbedingungen ermittelt, die mit deutschen Bundesstraßen, städtischem Pendlerverkehr oder einem engagierten Wochenendausflug herzlich wenig gemein haben. Im täglichen Betrieb berichten Besitzer durchgehend von 5,6 bis 7,1 l/100 km bei gemischter Fahrweise, im reinen Stadtverkehr steigt der Verbrauch auf über 8 l/100 km, und bei entspannter Autobahnfahrt – bei der der Kleinmotor schon bei 120 km/h ordentlich dreht – pendelt er sich zwischen 5,8 und 6,4 l/100 km ein.
Der Brabus 74kW ist der durstigste. Sein höherer Grundladedruck von 1,43 bar und die unwiderstehliche Versuchung, die Mehrleistung zu nutzen, treiben den Verbrauch auf reale 6,7 bis 8,0 l/100 km. Der 45kW Lite kann mit dem 60kW gleichziehen oder ihn leicht unterbieten, empfiehlt sich aber ungeachtet des Kraftstoffverbrauchs langfristig nicht, da er serienmäßig keinen Ölkühler besitzt.
Den eigenen Verbrauch genau zu erfassen ist wichtig. Volltanken, Kilometerzähler nullstellen, wiederholen. Der kleine 33-Liter-Tank des Roadsters macht selbst mäßige Ineffizienz schnell spürbar. Wer im gemischten Betrieb dauerhaft mehr als 7,5 l/100 km verbraucht, sollte nach einem mechanischen Problem oder einem ungünstigen Fahrstil suchen.
Mechanische Ursachen für erhöhten Verbrauch beim Smart Roadster
Bevor der Fahrstil angepasst wird, sollte die Technik ausgeschlossen werden. Ein schlecht gewartetes Fahrzeug verbraucht mehr Kraftstoff, egal wie behutsam man fährt.
Zündkerzen und Zündanlage
Der 698-ccm-Dreizylinder hat drei Zündkerzen und ein kurzes Wechselintervall. Verschlissene Kerzen führen zu unvollständiger Verbrennung, woraufhin das Steuergerät die Gemischanreicherung als Ausgleich erhöht. Kerzen gemäß Wartungsplan wechseln – üblicherweise alle 20.000 km – mit der korrekten NGK-Spezifikation oder Gleichwertigem. Iridiumkerzen sind den geringen Mehrpreis wert, da sie über längere Zeit gleichmäßiger arbeiten.
Luftfilterzustand
Ein verstopfter Luftfilter drosselt die Ansaugluft und zwingt das Steuergerät unter Last zu fetterem Gemisch. Er gehört zu den günstigsten Wartungsteilen und wird am häufigsten vernachlässigt. Wer seinen Filter länger nicht gewechselt hat, findet in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Luftfilterwechsel am Smart Roadster eine übersichtliche Beschreibung – der Vorgang dauert etwa 15 Minuten.
Kraftstofffilter
Der Kraftstofffilter sitzt beim Roadster an einer Stelle, die viele Besitzer überrascht. Ein teilweise verstopfter Filter sorgt für ungleichmäßigen Einspritzdruck, was Kompensationsstrategien des Steuergeräts auslöst, die den Verbrauch erhöhen. Alles zum Einbauort und zum richtigen Wechselzeitpunkt erklärt unsere Anleitung zum Kraftstofffiltertausch am 452.
Reifenluftdruck
Zu wenig Luftdruck erhöht den Rollwiderstand erheblich. Die gestaffelten Reifengrößen des Roadsters – 175/55 R15 vorn, 205/50 R15 hinten bei den meisten Varianten – bedeuten, dass Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Drücke benötigen. Bereits 0,3 bar zu wenig auf allen vier Rädern können den Verbrauch um 0,2 bis 0,3 l/100 km erhöhen. Druck immer kalt prüfen, bei täglichem Einsatz wöchentlich. Unsere vollständige Reifendruck- und Größenreferenz enthält die korrekten Werte für alle Varianten.
Kühlmittel und Thermostat
Ein Motor, der seine Betriebstemperatur nicht erreicht, läuft konstruktionsbedingt mit fettem Gemisch – das Steuergerät gibt Kaltstartzusätze, bis der Kühlmittelsensor den richtigen Wert meldet. Ein klemmendes Thermostat (dauerhaft geöffnet) kann den Motor in diesem angereicherten Zustand belassen und den Verbrauch still und heimlich in die Höhe treiben. Wenn die Temperaturanzeige dauerhaft niedriger als gewöhnlich steht, sollte man dem sofort nachgehen.
Wie das Softouch-Getriebe den Verbrauch beeinflusst
Das Softouch ist kein klassisches Automatikgetriebe. Es ist ein automatisiertes Schaltgetriebe – ein konventionelles Sechsganggetriebe mit hydraulischem Kupplungsaktuator. Wer diesen Unterschied versteht, kann den Kraftstoffverbrauch spürbar senken. Im Vollautomatikmodus hält das Getriebe die Gänge länger, als ein effizienter Fahrer es täte – besonders bei leichter Gaspedalstellung. Außerdem schaltet es bei erkanntem Beschleunigungsbedarf oft voreilig zurück, häufig unnötigerweise.
Die wirksamste Technik für besseren Verbrauch ist der manuelle Modus (Plus-/Minuspaddel oder Wählhebel) mit frühzeitigem Hochschalten. Bei 50 km/h sollte man im vierten Gang sein, bei 80 km/h im fünften oder sechsten. Der Turbomotor hat genug Drehmoment aus niedrigen Drehzahlen – darauf vertrauen. Im normalen Fahrbetrieb liegt das wirtschaftliche Drehzahlfenster zwischen 1.500 und 2.500 U/min. Unsere ausführliche Anleitung zum optimalen Umgang mit dem Softouch-Getriebe erklärt dies und vieles mehr, einschließlich der wichtigen Pause beim Anfahren, um Kupplungsschlupf zu vermeiden.
Fahrstil: Der größte Einflussfaktor auf den Smart Roadster Verbrauch
Mechanischer Zustand und Getriebehandhabung mal beiseite – der Fahrstil ist die Variable mit dem größten Einfluss auf den Realkraftstoffverbrauch, potentiell 2 bis 3 l/100 km Unterschied zwischen aggressiver und vorausschauender Fahrweise.
Vorausschauend fahren statt reagieren
Der kurze Radstand und das geringe Gewicht des Roadsters machen ihn reaktionsschnell, aber das Softouch braucht einen Moment, um auf plötzliche Gaspedalanforderungen zu reagieren. Weiche, gleichmäßige Eingaben sind in der Praxis nicht nur schneller, sondern auch deutlich wirtschaftlicher. Weit vorausschauen, an Kreuzungen wo möglich rollen lassen und unnötiges Beschleunigen mit anschließendem Bremsen vermeiden.
Unnötige Ladedruckspitzen vermeiden
Der Turbolader macht den 698-ccm-Motor alltagstauglich, aber Ladedruck kostet Kraftstoff. Der Garrett 1238S baut schon bei moderaten Gaspedalstellungen Druck auf, und sobald er dreht, reichert das Steuergerät das Gemisch zum Motorschutz an. Wer im Stadtverkehr die Gaspedalstellung unter etwa 30 % hält, vermeidet in der Regel nennenswerten Ladedruck und spart spürbar Kraftstoff.
Autobahngeschwindigkeit
Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Die geringe Stirnfläche des Roadsters hilft, aber 140 km/h verbrauchen drastisch mehr als 100 km/h. Wem Wirtschaftlichkeit wirklich wichtig ist, der fährt auf der Autobahn entspannt mit 100 bis 110 km/h und erzielt dabei deutlich bessere Werte als bei 130 km/h.
Wartungsplan und Verbrauch: Der direkte Zusammenhang
Ein gut gewarteter Roadster ist ein sparsamer Roadster. Beides hängt unmittelbar zusammen. Die Ölviskosität spielt ebenfalls eine Rolle – vorgeschrieben ist vollsynthetisches 5W-40, und ein schwereres oder verbrauchtes Öl erhöht die innere Reibung und den Kraftstoffverbrauch. Frisches Öl nach jedem Ölwechsel alle 15.000 km oder jährlich ist für Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit keine Kür, sondern Pflicht.
Auch der Zustand der Lambdasonde (Breitband-Lambdasonde) ist entscheidend. Das Bosch-MEG-1.1-Steuergerät verlässt sich auf die vorgelagerte Lambdasonde für die Gemischregelung im geschlossenen Regelkreis. Eine träge oder defekte Sonde zwingt das Steuergerät zur fetten Open-Loop-Kennfeldbetrieb, was Verbrauch und Leistung kostet. Wenn die Langzeit-Kraftstoffkorrekturen deutlich positiv sind, sollte die Sonde untersucht werden, bevor man einen Fahrfehler annimmt.
Ein Blick in den vollständigen Wartungsplan für den 452 ist der beste Weg sicherzustellen, dass kein verbrauchsrelevanter Serviceposten von einem Vorbesitzer vergessen wurde.
Kraftstoffqualität und Kraftstoffwahl
Der 698-ccm-Motor benötigt mindestens Super 95 RON bleifrei. Supermarkt-Eigenmarken sind nicht grundsätzlich schädlich, aber Premiumkraftstoffe von Shell (V-Power, 100 RON) oder BP (Ultimate, 98–100 RON) enthalten zusätzliche Detergenzien, die Einspritzdüsen und Ansaugventile langfristig sauberer halten. Bei einem turbomotorisierten Einspritzmotor hat die Sauberkeit der Düsen einen messbaren Einfluss auf die Zerstäubung und damit auf die Verbrennungseffizienz.
E10-Kraftstoff, seit 2021 der deutsche Standard an der Zapfsäule, ist mit dem Kraftstoffsystem des Roadsters 452 (Baujahr ab 2003) kompatibel. Allerdings hat Ethanol eine geringere Energiedichte als reines Benzin – rund 34 % weniger pro Liter –, sodass E10 auch unter sonst gleichen Bedingungen zu etwas höherem Verbrauch führt als E5 (Super Plus). Wer den Verbrauch optimieren möchte, greift zu Super Plus 98–100 RON (E5), das auch der Einspritzdüsenreinheit zugute kommt. Die E10-Kompatibilitätsinformationen der britischen Regierung bestätigen die Verträglichkeit des Roadsters, aber der Energiedichtenachteil bleibt real.
Hintergrundinformationen darüber, wie das Lambda-Luft-Kraftstoff-Verhältnis mit dem Turbolader und der Gemischregelung des Steuergeräts zusammenwirkt, bieten Boschs technische Ressourcen zum Motormanagement als maßgebliche Referenz zur MEG-Steuergeräteserie des Roadsters.
Der Wikipedia-Überblick zur Kraftstoffverbrauchsmessung erklärt anschaulich, warum NEFZ-Werte so stark von Realverbrauchswerten abweichen – die niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten und das Fehlen nennenswerter Beschleunigungsphasen im Testzyklus sind die Hauptursachen.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der reale Verbrauch eines Smart Roadster 60kW?
Die meisten 60kW-Besitzer berichten von 5,6 bis 7,1 l/100 km im echten Mischbetrieb. Rein städtischer Einsatz kann diesen Wert auf über 8 l/100 km treiben, während entspannte Autobahnfahrt bei erlaubten Geschwindigkeiten 5,5 bis 5,9 l/100 km erreichen kann. Der offizielle NEFZ-Wert von rund 4,8 l/100 km ist unter normalen Bedingungen nicht erreichbar.
Verbessert manuelles Schalten den Verbrauch des Smart Roadster?
Ja, spürbar. Frühzeitiges manuelles Hochschalten – bei 50 km/h in den vierten Gang, bei 90–100 km/h in den sechsten – hält die Drehzahl im effizienten Bereich zwischen 1.500 und 2.500 U/min. Das Softouch hält im Automatikmodus die Gänge länger und schaltet unnötigerweise zurück – beides erhöht den Kraftstoffverbrauch.
Beeinflusst der Reifenluftdruck den Verbrauch des Smart Roadster wirklich?
Erheblich. Ein um 0,3 bar zu niedriger Druck an allen vier Rädern kann den Verbrauch aufgrund des erhöhten Rollwiderstands um 0,2 bis 0,3 l/100 km steigern. Da Vorder- und Hinterreifen des Roadsters unterschiedliche Größen haben, gelten für jede Achse eigene Solldrücke – beide regelmäßig mit einem kalibrierten Manometer prüfen.
Ist E10-Kraftstoff für den Smart Roadster geeignet und erhöht er den Verbrauch?
E10 ist mit dem Smart Roadster 452 kompatibel. Allerdings führt die geringere Energiedichte von Ethanol in der Praxis zu einem leicht höheren Verbrauch gegenüber Super Plus (E5). Wer den Verbrauch optimieren möchte, tankt besser Super Plus 98–100 RON (E5), was auch der Sauberkeit der Einspritzdüsen zugute kommt.









