Smart Roadster Bluewave Edition: Was macht sie so besonders

Der Smart Roadster Bluewave ist eine der optisch auffälligsten und sammelnswertesten Varianten des Smart Roadster 452 – und dennoch wird er selbst unter eingefleischten Enthusiasten erstaunlich häufig missverstanden. Als limitierte Sonderedition während der kurzen Produktionszeit des Roadster von 2003 bis 2006 auf den Markt gebracht, vereinte der Bluewave ein markantes Erscheinungsbild mit echten fahrdynamischen Qualitäten. Ob Sie gerade auf dem Gebrauchtmarkt nach einem Exemplar suchen, bereits einen Bluewave besitzen und genau wissen möchten, was Sie da haben, oder einfach neugierig sind, wie er sich gegen den Standard-60-kW- und die Brabus-Varianten schlägt – dieser Ratgeber deckt alles ab: Spezifikation, Seltenheit, Besonderheiten im Alltag und wie Sie ein echtes Exemplar erkennen.

Was ist der Smart Roadster Bluewave?

Der Smart Roadster Bluewave war eine werksseitige Sonderedition, die Smart GmbH produzierte, um dem Roadster-Programm in einer kommerziell schwierigen Phase neuen Schwung zu verleihen. Das prägende Merkmal ist der lebhafte elektrisch blaue Metallic-Lack – ein Farbton, der exklusiv dieser Edition vorbehalten war und im regulären Roadster-Farbprogramm keine direkte Entsprechung hat. In Kombination mit farblich abgestimmten blauen Anbauteilen, einem eigenen Leichtmetallfelgendesign und einem sorgfältig koordinierten Interieur war der Bluewave darauf ausgelegt, im Straßenbild aufzufallen – und das auf eine Weise, die selbst der ohnehin auffällige Standard-Roadster nicht erreichte.

Technisch basierte der Bluewave auf dem 60-kW-Antriebsstrang – dem Herzstück des Roadster-Programms, ausgestattet mit dem 698-cm³-Dreizylinderturbo, der mit etwa 1,09 bar Ladedruck läuft. Damit ist er dem 45-kW-Lite deutlich überlegen (der zudem keinen Ölkühler besitzt und daher besser gemieden werden sollte), bleibt aber alltagstauglich und handlich. Das automatisierte Schaltgetriebe Softouch ist wie bei allen Roadstern serienmäßig. Entscheidend ist, dass Smart für den Bluewave die richtige Basis gewählt hat: Die 60-kW-Plattform liefert ein echtes Fahrerlebnis, ohne die Haltbarkeitsprobleme, die entstehen, wenn ein gealterter Motor stärker gefordert wird.

Bluewave-Ausstattung: Was war serienmäßig dabei

Über den charakteristischen Lack hinaus kam der Smart Roadster Bluewave mit einer gut ausgestatteten Serienausstattung, die ihn in mehrfacher Hinsicht vom Basis-Roadster unterschied. Käufer erhielten:

  • Exklusiver Bluewave-Metallic-Lack in Elektrischblau – bei keiner anderen Roadster-Variante erhältlich
  • Farblich abgestimmte Seitenschweller, Spiegelkappen und Heckdiffusor-Details in komplementären Blautönen
  • Exklusive Fünfspeichen-Leichtmetallfelgen, typischerweise in Silber oder polierter Ausführung, die das blaue Karosseriedesign unterstrichen
  • Blau akzentuiertes Interieur mit Ziernähten und Dekorteilen, die das Außendesign aufgriffen
  • Tridion-Sicherheitszelle in kontrastierender Ausführung – typischerweise Silber – die das für den Roadster typische Zweifarbdesign betonte
  • Serienmäßiger 60-kW-Antrieb mit Ölkühler, wie er im gesamten 60-kW-Programm verbaut ist
  • Softouch-Automatikgetriebe mit Schaltpaddles

Einige Bluewave-Exemplare wurden auch mit dem optionalen Hardtop oder dem Panorama-Softtop geordert, weshalb es sich lohnt, jedes Fahrzeug genau zu prüfen. Die Kombination aus exklusiver Farbe und durchdachtem Interieur machte den Bluewave zu einer der stimmigsten Sonderserien, die Smart in dieser Ära aufgelegt hat.

Wie selten ist der Smart Roadster Bluewave?

Smart baute über die gesamte Produktionszeit hinweg rund 43.000 Roadster – eine bemerkenswert kleine Stückzahl für einen europäischen Serienhersteller, was wesentlich dazu beiträgt, dass das Modell eine so treue Fangemeinde entwickelt hat. Davon wurden nur 7.251 offiziell im Vereinigten Königreich zugelassen. Der Bluewave machte nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion aus; obwohl genaue Produktionszahlen schwer exakt zu bestätigen sind, gilt es in der Roadster-Community als allgemein anerkannt, dass erhaltene, unveränderte Bluewave-Exemplare wirklich rar sind.

Zwei Jahrzehnte des Verschleißes – Unfallschäden, Vernachlässigung, Ersatzteilträger und die unvermeidlichen Verluste, die niedrig aufgelegte Sportwagen treffen – bedeuten, dass die Zahl fahrtüchtiger Bluewave-Editionen noch geringer ist. Berücksichtigt man zudem, wie viele ihren markanten blauen Lack nachlackiert bekommen haben (sei es durch Unfallreparaturen oder weil Vorbesitzer eine andere Farbe bevorzugten), wird die Suche nach einem echten Bluewave mit Originallackierung in gutem Zustand zur echten Herausforderung. Diese Seltenheit spiegelt sich zunehmend in den Angebotspreisen auf dem Gebrauchtmarkt wider.

Smart Roadster Bluewave Kaufberatung: Worauf Sie achten sollten

Wenn Sie auf der Suche nach einem Bluewave sind, gilt die übliche Checkliste für den Kauf eines Smart Roadster – ergänzt um einige editionsspezifische Punkte. Beginnen Sie mit der Lackverifikation: Prüfen Sie, ob der elektrisch blaue Lack über alle Karosserieteile hinweg einheitlich ist, einschließlich Schweller und Stoßfänger. Nicht übereinstimmende Bauteile, Lacküberschlag auf Gummidichtungen oder eine verdächtig frische Neulackierung sollten zu weiterer Nachforschung Anlass geben. Ein echter Bluewave hat seinen Farbcode in der Fahrzeugdatenkarte dokumentiert, die üblicherweise im Serviceheft oder im elektronischen System des Fahrzeugs hinterlegt ist.

Die üblichen mechanischen Prüfpunkte beim Smart Roadster sind unabhängig von der Variante unerlässlich. Wassereintritt ist das häufigste strukturelle Problem – prüfen Sie Fußräume, Bereich hinter den Sitzen und den Batterieträger gründlich. Die Lenkung sollte auf Spiel und Anzeichen des typischen Lenkungsverschleißes untersucht werden, der viele Exemplare in diesem Alter betrifft. Das Softouch-Getriebeaktuator ist ein weiterer kritischer Punkt; träge, ruckartige oder zögernde Schaltvorgänge können auf einen verschlissenen Aktuator oder ein Getriebe hinweisen, das eine Software-Anpassung benötigt.

Auf der Elektroseite sind SAM-Fehler (Signal Acquisition Module) – typischerweise als B1xxx-Fehlercodes gespeichert – eine bekannte Schwachstelle der Plattform in diesem Alter. Eine OBD-Diagnose vor dem Kauf ist dringend zu empfehlen. Das LCD-Kombiinstrument ist eine weitere potenzielle Problemquelle; Pixelausfälle und Displayverblassung betreffen viele erhaltene Exemplare.

Die elektronische Architektur des Fahrzeugs zu kennen, ist beim Kauf jedes Roadsters ausgesprochen hilfreich. Das Smart Roadster MEG-1.1-Steuergerät ist das Herzstück der Motorsteuerung, und zu wissen, welche Firmware-Version installiert ist und ob das Steuergerät bereits verändert wurde, kann viel über die Fahrzeughistorie und das Potenzial des Autos verraten.

Bluewave vs. Standard-60-kW vs. Brabus: Der Vergleich

Der Bluewave positioniert sich in Sachen Begehrtheit zwischen dem Standard-60-kW und den Brabus-Varianten, wobei sein Sondermodellstatus ihm eine etwas andere Nische verschafft. Gegenüber einem Standard-60-kW-Roadster bietet der Bluewave identische Fahrleistungen, fügt aber Sammlerwert, Seltenheit und ein weitaus markanteres Erscheinungsbild hinzu. Wer rein als Fahrer kauft, ist mit dem Basis-60-kW pragmatischer bedient – Teile und Exemplare sind reichlicher vorhanden. Wer Wert auf Provenienz, optische Wirkung und langfristigen Werterhalt legt, dem ist der Aufpreis des Bluewave durchaus gerechtfertigt.

Die Brabus-Varianten – der 66-kW-SB2 und der vollwertige 74-kW-Brabus – übertreffen den Bluewave in der Leistung (mit 1,33 bzw. 1,43 bar Ladedruck) und genießen ihr eigenes Prestige durch das Brabus-Emblem. Die höher aufgeladenen Motoren belasten den Antriebsstrang jedoch thermisch stärker, und der Brabus-Aufpreis bei Gebrauchtfahrzeugen war historisch gesehen erheblich. Der Bluewave bietet ein entspannteres Besitzerlebnis, ohne auf den echten Fahrspaß der 60-kW-Plattform zu verzichten.

Für Besitzer, die Brabus-ähnliche Leistung aus dem 60-kW-Motor ihres Bluewave herausholen möchten, ist ein professionelles ECU-Kennfeldabstimmung ein bewährter Weg. Das MEG-1.1-Steuergerät reagiert sehr gut auf sorgfältige Kalibrierungsarbeit, und eine qualitativ hochwertige Abstimmung kann den Abstand zu Brabus-Werten deutlich verringern, ohne das Risiko einzugehen, ein gealtertes Aggregat durch Überladung zu gefährden.

Smart Roadster Bluewave: Marktwert und Marktausblick

Stand 2025 hat sich der breitere Smart-Roadster-Markt in eine klare Preisstruktur eingependelt. Hochkilometerfahrzeuge oder Projektautos werden im Bereich von 7.000–9.000 EUR gehandelt; gute, alltagstaugliche Fahrzeuge mit Servicenachweisen liegen zwischen 9.000 und 12.000 EUR; und Fahrzeuge mit geringer Laufleistung oder Brabus-Spezifikation erzielen 12.000–15.000 EUR oder mehr. Der Bluewave besetzt mindestens das obere Ende dieses mittleren Segments, wobei die besten Exemplare – Originallack, lückenlose Historie, geringe Laufleistung – allein aufgrund ihres Sondermodellstatus in die Preisregion von 12.000–15.000 EUR vorstoßen.

Der langfristige Ausblick für Smart Roadster Bluewave-Werte ist vorsichtig optimistisch. Die Produktionszahlen waren stets gering, der Fahrzeugbestand schwindet weiter, und das Ansehen des Roadster als Kultklassiker wächst von Jahr zu Jahr. Käufer, die heute ein gut erhaltenes Bluewave-Exemplar zu einem fairen Preis finden, werden es finanziell kaum bereuen – insbesondere wenn sie das Fahrzeug korrekt pflegen und die Originallackierung erhalten. Dies ist einer jener seltenen Fälle auf dem Youngtimer-Markt, bei denen es sowohl emotional als auch finanziell sinnvoll ist, das bestmögliche Exemplar zu kaufen, das man sich leisten kann.

Alltag mit dem Smart Roadster Bluewave

Der tägliche Umgang mit einem Bluewave ist im Großen und Ganzen dieselbe Erfahrung wie mit jedem 60-kW-Roadster – und das bedeutet: außerordentlich charakterstark und befriedigend, mit gelegentlichen Erinnerungen daran, dass man ein 20 Jahre altes Kleinserien-Sportfahrzeug bewegt. Das Softouch-Getriebe wird jeden frustrieren, der die Ansprechbarkeit einer modernen Doppelkupplung erwartet – doch wenn man erst seinen Rhythmus gefunden hat, besonders den Vorteil des manuellen Paddelbetriebs bei sportlicher Fahrt, wird es zum Charakterzug des Fahrzeugs statt zum Handicap.

Der 698-cm³-Turbomotor, mittig-heckwärts vor der Hinterachse eingebaut, vermittelt ein Fahrerlebnis, das weit lebendiger wirkt, als der Hubraum vermuten lässt. Gewichtsverteilung und tiefer Schwerpunkt machen den Bluewave auf einer kurvigen Landstraße zu einem echten Erlebnis. Die Unterhaltskosten sind überschaubar, sofern man Fachbetriebe nutzt, die mit der Plattform vertraut sind; herkömmliche Werkstätten tun sich mit dem Softouch-System und der SAM-Diagnose häufig schwer. Der frühzeitige Eintritt in die Smart-Roadster-Besitzergemeinschaft ist empfehlenswert – das kollektive Wissen ist die wertvollste Ressource, die jedem Roadster-Besitzer zur Verfügung steht.

Der Smart Roadster Bluewave bleibt eine der überzeugendsten Sonderserien des gesamten 452-Programms – ein Fahrzeug, das die rundum beste Spezifikation (der 60-kW-Antriebsstrang), echte optische Eigenständigkeit und wachsende Seltenheit zu einem Paket vereint, das sorgfältige Käufer belohnt. Ob Sie ihn als Fahrer, Sammler oder beides begehren – entscheidend ist, ein echtes, gut erhaltenes Exemplar zu finden und seine Geschichte vor dem Kauf vollständig zu verstehen. Prüfen Sie den Lack, kontrollieren Sie auf Wassereintritt, lesen Sie das Steuergerät aus und verifizieren Sie die mechanischen Grundlagen – wer all das tut, wird mit einem der charakterstärksten Kleinsportwagen belohnt, die je in Europa gebaut wurden.