Das Smart Roadster Targa Top ist eines der markantesten Merkmale des 452 und gibt dem Fahrer die Wahl zwischen einer windgeschützten, wetterfesten Kabine und einem offenen Fahrerlebnis — ganz ohne die mechanische Komplexität eines herkömmlichen Faltverdecks. Wer den Roadster besitzt, sollte genau wissen, wie dieses Dachsystem funktioniert, was dabei schiefgehen kann und wie man es richtig pflegt. Egal ob Sie gerade Ihren ersten 452 übernommen haben oder ihn schon seit Jahren fahren — dieser Leitfaden behandelt das Targa-Panel umfassend: Konstruktionslogik, Aus- und Einbauvorgang, häufige Mängel, Dichtigkeitstipps und Ratschläge zur Langzeitlagerung.
Was ist ein Targa Top und wie unterscheidet sich das des Smart Roadsters?
Ein Targa Top ist ein abnehmbares Dachpanel, das die Fahrgastzelle überspannt und dabei einen fest integrierten Überrollbügel beibehält — ein Konzept, das in den 1960er Jahren entwickelt wurde, um offenes Fahren zu ermöglichen, ohne die Steifigkeit der Karosserie vollständig zu opfern. Die Umsetzung beim Smart Roadster ist angesichts der kompakten Abmessungen des Fahrzeugs besonders gelungen. Das einteilige Panel aus Polycarbonat oder glasfaserverstärktem Kunststoff sitzt zwischen dem Windschutzscheibenrahmen und der fest montierten B-Säulen- bzw. Überrollbügelstruktur hinter den Sitzen und wird mit einem Paar Dreharretierungen an den vorderen und hinteren Dichtungspunkten eingerastet.
Wichtig: Das Smart Roadster Targa Top ist nicht zwischen allen Karosserievarianten austauschbar. Die Karosserie des Roadster Coupé hat eine andere hintere Struktur als der offene Roadster, und Käufer sollten die Kompatibilität prüfen, bevor sie ein Ersatzpanel beschaffen. Das Serienmodell ist außen in Wagenfarbe lackiert und hat auf der Innenseite eine Dachhimmel-Verkleidung, sodass die Kabine auch mit eingesetztem Dach einen sauberen Eindruck macht. Eine getönte Aftermarket-Variante wurde ebenfalls produziert und ist bei Enthusiasten für ihre dezente optische Veränderung beliebt.
Targa-Panel aus- und einbauen: Schritt für Schritt
Das Abnehmen des Smart Roadster Targa Tops ist eine Aufgabe für eine Person und dauert nach etwas Übung weniger als zwei Minuten. Wichtig ist dabei, methodisch vorzugehen, um Kratzer an den Panelkanten oder der umliegenden Karosserie zu vermeiden.
Ausbau
- Fahrzeug auf ebenem Untergrund parken und Seitenscheiben vollständig öffnen — so kann das Glas das Panel beim Herausheben nicht behindern.
- Die beiden vorderen Dreharretierungsgriffe an der Dachhimmelverkleidung aufsuchen, die sich knapp oberhalb der Sonnenblenden befinden. Jeden Griff eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn drehen, um die vorderen Verschlüsse zu lösen.
- Zur Hinterkante des Panels wechseln und die beiden hinteren Entriegelungslaschen gleichzeitig nach innen drücken, während die hintere Kante behutsam angehoben wird.
- Mit beiden gelösten Verschlüssen das Panel leicht nach vorne kippen und in einer gleichmäßigen Bewegung vom Fahrzeug abheben.
- Das Panel mit der Außenseite nach unten auf einer weichen, sauberen Unterlage ablegen — eine spezielle Tragetasche oder der originale Smart-Aufbewahrungsbeutel ist ideal.
Einbau
Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge: zuerst die hintere Kante in den Gummidichtungskanal einsetzen, fest andrücken bis die hinteren Clips hörbar einrasten, dann die vordere Kante herunterdrücken und die Innengriffe im Uhrzeigersinn drehen, bis sie vollständig verriegelt sind. Anschließend immer mit dem Finger die gesamte Umfangsdichtung abfahren, um sicherzustellen, dass keine Lücken vorhanden sind — insbesondere an den Ecken, wo Wassereintritt meist beginnt.
Häufige Probleme mit dem Targa Top und deren Behebung
Das Smart Roadster Targa Top ist mechanisch einfach aufgebaut, bedeutet aber nicht, dass es problemlos ist. Im Laufe der Jahre haben sich einige wiederkehrende Mängel in der Eigentümer-Community herauskristallisiert.
Wassereinbruch
Undichtigkeit ist die mit Abstand häufigste Beschwerde beim Targa-Dach. Die Ursache ist fast immer eine versprödte oder zusammengedrückte Umfangsdichtung. Die Neopren-Gummidichtung, die um die Panelkante verläuft, verhärtet mit der Zeit durch Alterung und UV-Einwirkung und verliert die Fähigkeit, sich sauber gegen die Karosserie zu pressen. Ersatzdichtungen sind bei Spezialanbietern erhältlich und lassen sich mit Kontaktkleber problemlos montieren, wobei die Stoßstelle an den Ecken sorgfältig auf Gehrung geschnitten werden muss. Ein dünner Film aus Silikonfett, zweimal jährlich auf die Dichtung aufgetragen, verlängert deren Lebensdauer erheblich und verbessert die Dichtwirkung.
Steife Verschlüsse und Fehlausrichtung
Die Dreharretierungsgriffe können schwergängig werden, wenn der Verschlussmechanismus korrodiert oder das Panel sich nach Jahren thermischer Wechselbelastung leicht verzogen hat. Eine kleine Menge weißes Lithiumfett auf dem Verschlusszylinder beseitigt die Schwergängigkeit in den meisten Fällen. Wenn die hinteren Clips nicht mehr sauber einrasten, sollte geprüft werden, ob die hinteren Aufnahmehalterungen verbogen sind — ein überraschend häufiges Ergebnis unsachgemäßen Abnehmens oder falscher Lagerung der Panels.
Trübung des Polycarbonat-Panels
Einige Targa-Panels bestehen aus Polycarbonat mit einer UV-Schutzschicht. Sobald diese Beschichtung nachlässt, trübt und milchig die Oberfläche ein, was die Sicht beeinträchtigt und unschön wirkt. Leichte Trübungen lassen sich mit einem speziellen Kunststoffpoliermittel aufpolieren; bei starken Schäden muss das Panel ersetzt werden. Die Lagerung des Panels geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung verzögert das Auftreten dieser Probleme erheblich.
Offener Roadster vs. Roadster Coupé: Einordnung des Targa-Dachs
Es lohnt sich zu verstehen, welche Rolle das Targa Top im Rahmen der gesamten Smart Roadster Karosseriestruktur spielt. Der offene Roadster — das Thema dieses Leitfadens — nutzt das Targa-Panel als primären Wetterschutz, ergänzt durch ein Stoffverdeck, das hinter den Sitzen eingefaltet wird. Der Smart Roadster auf Wikipedia erläutert den Unterschied zwischen den beiden Karosserievarianten, wenn auch die Detailtiefe zu den Dachmechanismen begrenzt ist. Das Roadster Coupé hingegen verfügt über eine vollständigere feste Heckstruktur mit einer größeren Glasfläche und bietet coupétypischen Wetterschutz ohne Abhängigkeit vom Stoffverdeck.
Für den Besitzer des offenen Roadsters bilden Targa-Panel und Stoffverdeck ein System: Das Targa sorgt für eine harte, geräuscharme Dachlinie, während das Stoffverdeck den hinteren Bereich der Kabine schließt. Die meisten Fahrer stellen fest, dass das Abnehmen des Targa-Panels ohne gleichzeitiges Öffnen des Stoffs ein seltsames, halboffenes Fahrgefühl erzeugt — die ideale Kombination ist Targa ab, Verdeck geöffnet, für echtes Freiluftfahren.
Targa-Panel sicher aufbewahren
Da das Targa-Panel ein vergleichsweise großes, gewölbtes und kratzempfindliches Bauteil ist, verdient die Lagerung besondere Aufmerksamkeit. Smart lieferte bei Neuwagen eine weiche Tragetasche mit; falls diese fehlt, ist eine gepolsterte Dachreisetasche eines Porsche 911 Targa-Zubehöranbieters eine nahezu perfekte Alternative und gebraucht gut erhältlich. Das Panel sollte stets mit der Außen- oder Innenseite nach unten auf einer gepolsterten Unterlage gelagert werden — niemals auf der Kante abgestellt, da die Verschlussbeschläge mit der Zeit in den Lack eindrücken können.
Temperaturextreme sind der Feind von Polycarbonat-Panels. Die Lagerung des Targa-Daches in einem Kofferraum oder Garagenbereich, der frostigen Wintern oder hohen Sommertemperaturen ausgesetzt ist, sollte vermieden werden. Bei Langzeitlagerung des Fahrzeugs empfiehlt es sich, das Targa-Panel montiert zu lassen, damit die Umfangsdichtung keine dauerhafte Verformung in gedrückter oder entspannter Lage annimmt — beide Extreme können die Dichtwirkung beim nächsten Einsatz beeinträchtigen. Im Smart Car Forum finden sich mehrere ausführliche Beiträge zur Langzeitlagerung, die diesen Leitfaden sinnvoll ergänzen.
Obwohl das Targa-Dach selbst ein rein mechanisches System ohne Elektronikkomponenten ist, sind andere Bereiche der Fahrzeugsteuerung des Roadsters erheblich komplexer. Wer sich für die elektronische Architektur des Fahrzeugs im weiteren Sinne interessiert, findet in unserem detaillierten Beitrag darüber, wie das Bosch MEG 1.1 Steuergerät die Motorsysteme des Roadsters regelt, nützliche Hintergrundinformationen dazu, wie ausgefeilt die Technik dieses kleinen Fahrzeugs tatsächlich ist.
Aftermarket- und Ersatz-Targa-Panels
Ein Ersatz-Targa-Top für den Smart Roadster zu finden wird mit den Jahren schwieriger, da der Vorrat an Neuteilen aus alten Lagerbeständen schwindet. Die drei Hauptwege sind: Schrottplätze und Autoverwerter (Trübung und Verschlusszustand vor dem Kauf sorgfältig prüfen); auf Smart Roadster spezialisierte Teilehändler in Deutschland und Großbritannien, von denen einige noch Neuteile aus Altbeständen vorhalten; sowie der Gebrauchtmarkt über Eigentümerclubs und Foren. Preise für ein sauberes, unbeschädigtes Panel in Originalfarbe liegen typischerweise zwischen 180 und 420 Euro, abhängig von Zustand und Farbseltenheit. Brabus-Fahrzeuge in Tailor-Made-Lackierungen erzielen selbst für Dachpanele Aufpreise, da die genaue Farbnuance schwer zu treffen ist.
Eine kleine Anzahl von Karosseriebauern und GFK-Spezialisten hat massive GFK-Ersatzpanele für Besitzer hergestellt, deren Polycarbonat-Original nicht mehr zu retten ist. Diese sind in der Regel schwerer und erfordern eine professionelle Montage für eine ordentliche Abdichtung, sind jedoch praktisch immun gegen UV-bedingte Trübung und können in jeder Farbe lackiert werden. Die Archivbeiträge im Smart Car of America Forum enthalten Eigentümer-Dokumentationen zum selbst gefertigten Panelersatz mit nützlichen Details, obwohl der Schwerpunkt auf nordamerikanischen Fahrzeugen liegt.
Für allgemeine Informationen zu Targa-Dachkonstruktionsprinzipien — einschließlich der strukturellen Rolle des Überrollbügels, der das Targa-Konzept erst ermöglicht — bietet der Wikipedia-Artikel über Targa-Dächer soliden historischen und technischen Hintergrund ohne Markenfokus.
Wartungsplan für das Smart Roadster Targa Top
Eine einfache, regelmäßige Wartungsroutine hält das Targa-Dach über die gesamte Fahrzeuglebensdauer funktionstüchtig und dicht. Zweimal jährlich — idealerweise zu Beginn des Frühlings und am Ende der Fahrsaison — sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:
- Umfangsdichtung prüfen auf Verhärtung, Risse oder bleibende Verformung. Mit dem Fingertipp eindrücken; sie sollte sofort zurückfedern.
- Dichtung reinigen mit einem gummiverträglichen Reiniger und anschließend Silikonfett oder einen speziellen Gummipflegestoff auftragen.
- Verschlusszylinder schmieren mit weißem Lithiumfett auf einem Wattestäbchen — übermäßige Menge vermeiden, damit kein Fett auf den Dachhimmel gelangt.
- Außenfläche des Panels polieren mit einem kunststoffgeeigneten Politur-Mittel bei Polycarbonat oder einem Standard-Wachs bei GFK bzw. lackiertem Blech.
- Hintere Aufnahmehalterungen prüfen auf Ausrichtung und festen Sitz — zwei M6-Schrauben pro Seite, von innen der Kabine mit abgenommenem Panel zugänglich.
Das Smart Roadster Targa Top ist eine charaktervolle, durchdachte Dachlösung, die aufmerksame Pflege belohnt. Dichtungen geschmeidig halten, Verschlüsse geschmiert und das Panel korrekt gelagert — dann bleibt es jahrzehntelang dicht und leicht zu bedienen. Falls das Originalpanel nicht mehr zu retten ist, bietet der Ersatzteilmarkt — trotz schrumpfendem Angebot — für geduldige Käufer noch gute Optionen. Vor allem aber sollte man das System als das schätzen, was es ist: eine schnelle, leichte Möglichkeit, einen der spaßigsten kleinen Sportwagen aller Zeiten von einem knackigen Coupé in einen echten Roadster zu verwandeln.









